100.000. Tübbingteil für Koralmtunnel - ÖBB
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100.000. Tübbingteil für Koralmtunnel

Nicht weniger als 160.000 Tübbingteile werden für den Koralmtunnel benötigt. Die beiden Tunnelabschnitte in der Steiermark sind bereits über 17 Kilometer lang! Bis zum Tunneldurchschlag fehlen nur noch fünf Kilometer!

Die magische Zahl wurde bereits überschritten: Über 100.000 Tübbing-Stahlbetonfertigteile wurden für den Koralmtunnel gefertigt und zum überwiegenden Teil bereits eingebaut. „Nur“ rund 8.700 Teile lagern im Bereich der Fabrikationsstätte in Leibenfeld und warten auf ihren Einbau in einem der beiden Tunnels, die jeweils bereits über 17 Kilometer lang sind.

Die Tunnelbauarbeiten laufen in der Steiermark und in Kärnten auf Hochtouren. Mit den Tunnelbauarbeiten stehen wir kurz vor der steirischkärntnerischen Landesgrenze. Vor wenigen Wochen wurde mit einem weiteren wichtigen Abschnitt begonnen, nämlich mit der Herstellung des Ausbruchs der Nothaltestelle. Diese Nothaltestelle ist ein ca. 900 m langer Hohlraum zwischen den beiden Fahrtunneln in Tunnelmitte, bestehend aus einem Rettungsraum sowie Zugängen in beide Tunnel.

Was ist ein Tübbing?

Tübbings nennt man Stahlbetonfertigteile, die unmittelbar nach dem Bohrkopf der Tunnelbohrmaschinen eingebaut werden, um den entstandenen Hohlraum gegenüber dem Gebirge abzustützen. Dieser notwendige Ring besteht meist aus sechs bis sieben Segmenten und wiegt rund 45 Tonnen. Zusätzlich zum Gebirge selbst stützen sich die Tunnelbohrmaschinen auch am bereits eingebauten Tübbingring ab, um einen entsprechenden Druck beim Bohren auszuüben. Nachdem die Ringe eingebaut sind, ist der Tunnel im Rohbau weitgehend fertiggestellt. Das Sohlelement ist übrigens speziell gestaltet: Es verfügt über eine Aussparung für den Kanal zur Wasserableitung.

Im Koralmtunnel fährt bereits jetzt eine Eisenbahn

In beiden Tunnelabschnitten auf der steirischen Seite und auch in Kärnten im Nordabschnitt versorgen Schmalspurbahnen die Tunnelbohrmaschinen mit Menschen und Material. Auch die Tübbings werden bereits per Bahn angeliefert. Denn in jedem Tunnel ist bereits während des Baus eine zweigleisige Schmalspurbahn vorhanden, die im Endausbau die längste Schmalspurbahn in Österreich sein wird. Zwar nur für sehr kurze Zeit, denn sie wird dann unmittelbar nach dem Abbau der Tunnelbohrmaschinen ebenfalls rückgebaut, um Platz für die neuen Hochleistungsgleise zu schaffen. Die einzelnen Tübbingteile werden bereits auf der Baustelle in eigens dafür vorbereiteten Hallen betoniert und anschließend im Freilagerbereich bis zum Einbau zwischengelagert. Über die beiden Versorgungsschächte werden die Fertigteile mithilfe von mehreren Portalkränen in die Tiefe auf das zukünftige Gleisniveau heruntergelassen und auf einen eigenen Transportzug verladen. Mit dieser Fracht und weiteren Baumaterialien, die für die Tunnelbohrmaschinen notwendig sind, macht sich dann der Transportzug auf die kilometerlange Reise bis zu den Tunnelbohrmaschinen. Beim steirischen Bauabschnitt des Koralmtunnels werden rund 120.000 Tübbingteile verbaut, insgesamt sind für den Koralmtunnel 160.000 Stück notwendig.

Tübbings auch für den Sprengvortrieb?

Die Antwort lautet: Nein. Die derzeit eingesetzten Tübbings sind nur für den kontinuierlichen Tunnelvortrieb mit einer Tunnelbohrmaschine notwendig. Für die Tunnelbauarbeiten nach der „Neuen Österreichischen Tunnelbaumethode“ kommen konventionelle Baugeräte wie Tunnelbagger und Bohrwagen sowie Baumaterialien wie Baustahlgitter, Anker und Spritzbeton zum Einsatz.

Die Tunnelkette Granitztal

Die knapp über 6,1 km lange, zweiröhrige Tunnelkette Granitztal ist das zweitlängste Tunnelsystem der Koralmbahn. Sie besteht aus dem 2.947 m langen Tunnel „Langer Berg“, der 606 m langen künstlichen Tunnelstrecke im Granitztal und dem 2.553 m langen Tunnel „Deutsch Grutschen“.

Alle diese genannten Tunnel werden miteinander verbunden und bilden die Tunnelkette Granitztal, die im Wesentlichen nach der ‚Neuen Österreichischen Tunnelbaumethode‘ aufgefahren wird. Der Vortrieb erfolgt sowohl mit Baggern als auch mit Sprengen. Zur Gebirgssicherung und zum Schutz der BauarbeiterInnen kommen Baustahlgitter, Anker und Spritzbeton zum Einsatz. Jeder Abschlag erfolgt folgendermaßen: Bohrlöcher bohren und mit Sprengstoff laden; Zünder einsetzen und sprengen; das gesprengte Material entfernen und die Ausbruchbereiche mit Spritzbeton und Ankern schützen. Dabei werden die quasi kreisrunden Tunnelröhren je zur Hälfte im oberen Teil (Kalotte) ausgebrochen. Der untere Teil (Strosse) folgt einige Meter nach. Nach Abschluss der Ausbruch- und Sicherungsarbeiten erfolgt später die Herstellung der Innenschale des Tunnels, die noch im Rahmen des Rohbaus hergestellt wird. Die eisenbahntechnische Ausrüstung wird erst in einem späteren Schritt eingebaut und damit der Tunnel für Züge befahrbar gemacht. Die Tunnelkette Granitztal soll planmäßig im Dezember 2022 und der Koralmtunnel ein Jahr später in Betrieb gehen.

HINTERGRUND Tübbings

Beim Tübbingsystem für den Koralmtunnel handelt es sich um ein Universalring-System. Das bedeutet, dass die Tübbings gleich groß sind und je nach Trassenführungen (rechts, links, oben, unten) einfach verschieden angeordnet werden. Ein Ring besteht aus sechs Tübbings und einer Sohle. Obwohl die Tübbings „nur“ 35 Zentimeter dick sind, haben sie ein Gewicht von 7,6 Tonnen.

Tübbingproduktion Die Tübbings werden direkt auf der Baustelle in Leibenfeld in zwei Werken produziert. Dabei wird auch das Tunnelausbruchmaterial aus dem Koralmtunnel wiederverwertet. Konkret werden an die 500.000 Kubikmeter Tunnelausbruchmaterial direkt auf der Baustelle zur Betonproduktion verwendet. Pro Werke sind je Schicht 15 ArbeiterInnen tätig – damit sind die Tübbingwerke fast eine eigene Baustelle für sich. In den beiden Mischwerken wird so viel Beton erzeugt, dass alle elf Minuten ein Stein betoniert werden kann. Die Tübbings werden aus Beton mit Stahlbewehrung gefertigt und müssen danach einige Wochen lagern und komplett austrocknen. Tunnelbohrmaschine Aufgrund der kompakten Gebirgsverhältnisse im Zentralbereich der Koralpe werden rund drei Viertel des Koralmtunnels mittels Tunnelbohrmaschine aufgefahren. Dabei gräbt sich der Bohrkopf einer rund 180 Meter langen Tunnelbohrmaschine durch das Gestein.

Leiwand!4 Personen finden das Leiwand!

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