E-Lok Methusalems der ÖBB-Reihen 1080 und 1180 - ÖBB
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E-Lok Methusalems der ÖBB-Reihen 1080 und 1180

Ausgelöst durch die Elektrifizierung der Arlbergbahn waren neue elektrische Lokomotiven für den Personen bzw. Güterverkehr notwendig. Zeitgleich mit dem Österreichischen „Krokodil“ gelangte 1924 eine nicht minder interessante Lokbaureihe auf Österreichs Bahnnetz.

Die Modernisierung des Bahnverkehrs in Europa war nicht aufzuhalten und auch die Bahnverwaltungen in der Monarchie fokussierten sich immer mehr auf die Einführung vom elektrisch betriebenen Bahnverkehr. Bereits 1912 entstanden erste Pläne zur Elektrifizierung der Arlbergbahn. Eine Realisierung unterblieb vorerst, dann kam der Erste Weltkrieg dazwischen.


1180er Foto: (c) Archiv Posch

Nach dem Ende des großen Krieges und der Ziehung der neuen Staatsgrenzen, verlor Österreich quasi seine gesamte Kohle, die für den Betrieb der Dampflokomotiven notwendig gewesen wäre, bzw. musste diese um teures Geld importieren. Diese Kohleknappheit und auch die erste erfolgreiche Elektrifizierung einer Vollbahn in Österreich (Mittenwaldbahn 1912), bewogen die damaligen Entscheidungsträger zur Elektrifizierung der Arlbergbahn, samt ihrer Zulaufstrecken. Für den Betrieb auf der Arlbergbahn waren drei verschiedene Lokomotivtypen vorgesehen, von denen die Güterzugslok eine besonders interessante Konstruktion darstellt.

Entstehungsgeschichte

Während bei den Schnellzugslokomotiven die Schweizerischen „Krokodile“ Pate standen, waren die Personen- und die Güterzugsloks aufsehenerregende Eigenentwicklungen. Letztere sehen wir uns heute etwas genauer an. Die Loks sollten grundsätzlich in der Lage sein, das Betriebsprogramm der fünffach gekuppelten Dampfloks der Reihen 80 und 180 fahren zu können. Da der Einzelachsantrieb von Lokomotiven in Österreich noch nicht Fuß gefasst hat, kam nur ein für die Kraftübertragung mit Stangen gekuppeltes Fahrzeug in Betracht. Die neue Güterzugslokomotive sollte wegen der geforderten Leistungskennwerte ebenfalls über fünf angetriebene Achsen verfügen.


1080er Foto: (c)Archiv Posch

Die 1924 abgelieferte 1080.001, wurde von drei Tatzlagermotoren, die an den mittleren Achsen angebracht waren, angetrieben. Die Kraft auf alle fünf Antriebsachsen wurde durch eine Kuppelstange übertragen. Bis 1925 wurden insgesamt 20 derartige Lokomotiven beschafft. Relativ bescheiden fiel aber die Höchstgeschwindigkeit mit nur 50 km/h aus. Mehr war damals auch nicht notwendig bzw. möglich, da auf den Güterzügen eigene Bremser mitfuhren. Der gestiegene Bedarf an Güterzugslokomotiven veranlassten die damaligen Verantwortlichen dazu, eine weitere ähnliche und verbesserte Serie von 10 Stück Güterzugslokomotiven zu beschaffen, die damals als 1080.1 (nach dem Zweiten Weltkrieg 1180) bezeichnet wurden.


1080er Foto: (c)Archiv Posch

Die Fahrzeuge bewährten sich grundsätzlich sehr gut, wenn man bedenkt, dass damals der elektrische Bahnbetrieb in den Kinderschuhen steckte. Die Loks übertrafen die geforderten betrieblichen Anforderungen um rund ein Drittel. Bedauerlich war außerdem, dass man anfangs das mögliche Potential der elektrischen Antriebsenergie nicht oder nur wenig erkannte.

Betriebseinsatz

Von Anfang an kamen die Loks auf ihren angedachten Strecken zum Betriebseinsatz. Während die 1080.1 das Arlberggebiet im Wesentlichen nie verließ, verschlug es die 1080 sehr bald auch auf andere Bahnstrecken. So gelangte einige Fahrzeuge nach Wien, wo sie auf den Resten der Pressburgerbahn eingesetzt wurden und zahlreiche weitere Loks in den Direktionsbereich Linz. Mit ein Grund für den Abzug vom Arlberg war natürlich die viel zu geringe Leistung und Geschwindigkeit sowie der Einsatz von wesentlich stärkeren und moderneren Drehgestellloks mit Einzelachsantrieb.


1080er Foto: (c)Archiv Posch

Im Zweiten Weltkrieg gingen vier Loks der Reihe 1080 nach Bombentreffern verloren. Die restlichen Fahrzeuge wurden nahezu vollständig bis in die 1980er Jahre eingesetzt, als dann ihre Ausmusterung begann. Die letzten Einsatzstellen waren für die 1180 in Bludenz und für die 1080 Attnang/Puchheim und Selzthal. Erst 1993 rollten die letzten Fahrzeuge endgültig auf das Abstellgleis; mit dabei war die 1080.01, die ununterbrochen von 1924 an im Einsatz stand. Insgesamt  fünf Fahrzeuge blieben in Straßhof, Bludenz und in Ampflwang der Nachwelt, teilweise museal zugänglich, erhalten.

Fact Box: 1080 (1180)

Baujahre: 1924/1925 (1926/1929)
Stückzahl: 20 (10)
Dauerleistung: 840 kW (1.000kW)
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Gewicht: 77 t (81 t)
Achsfolge: E

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