Im Tunnelbau gibt der Berg die Rahmenbedingungen vor - ÖBB
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Im Tunnelbau gibt der Berg die Rahmenbedingungen vor

Der Bau des Semmering-Basistunnels ist ein technisch hochkomplexes Projekt. Warum trotz aller Fachexpertise und Erkundungen der Berg und die Natur das Tempo vorgeben – und das auch nichts Ungewöhnliches ist.

Im Tunnelbau gibt der Berg die Rahmenbedingungen vor. Jeder noch so akribisch erkundete Gebirgsbereich kann im Vortrieb Überraschungen bringen. Dies ist nicht außergewöhnlich. Schließlich zielt besonders die Neue Österreichische Tunnelbaumethode (NÖT) darauf ab, flexibel auf die Beschaffenheit des Gebirges reagieren zu können. Prognosen können als Leitfaden dienen, das tatsächliche Tempo gibt jedoch der Berg vor. Dies ist durchaus auch international gesehen keine Besonderheit: Auch bei anderen Tunnelprojekten kam es immer wieder zu außergewöhnlichen Ereignissen aufgrund von Nachbrüchen und Ähnlichem. Das ändert nichts an dem Erfolgsfaktor dieser wichtigen Infrastrukturprojekte.

Der niederösterreichische Bauabschnitt …

… des Semmering-Basistunnels ist tunnelbautechnisch höchst komplex. Das Gestein ist teilweise sehr „bunt zusammengewürfelt“, die Gesteinsarten wechseln in sehr kurzen Abständen. Der Berg führt in diesem Bereich auch einiges an Wasser mit sich. Im Zuge der Planungen des Semmering-Basistunnels wurde das gesamte Projektgebiet akribisch untersucht: Rund 280 Probebohrungen in eine Tiefe bis 850 Meter gaben Auskunft darüber, wo sich wasserführende Bereiche befinden. Allerdings können sich auch genau zwischen diesen Probebohrungen, die man sich wie Nadelstiche vorstellen kann, geologisch komplexe Bereiche befinden, die der Berg dann erst beim Vortrieb offenbart.

Ein Umgehen dieser geologischen Störung ist leider nicht möglich, weil sich diese Störung quer durch die ganze Semmeringregion zieht. Die Störzone wird lediglich in einem Schnittpunkt gequert – die beste Option für uns.

Was machen wir technisch in derartigen Störzonen?

  • Generell „vorsichtigeres“ und „langsameres“ Vorgehen, bei dem der Berg noch genauer beobachtet wird als sonst, sprich Ausbruch in Teilflächen. Gerade die NÖT zielt auf diese Flexibilität je nach Gesteinszone ab.
  • Mehr Stützmaßnahmen (Beton, Gitter, Anker).
  • Teilweise Vorausinjektionen, zum Beispiel durch Zement. Diese stabilisieren das Gebirge, damit man dann wieder hineingraben kann, ohne dass das Gebirge nachbröselt, nachbricht, Wasser austritt.
  • Kein Maschinenvortrieb möglich.

Komplexe Geologie: Semmering Basistunnel

Baustelle Gloggnitz

Im Frühling dieses Jahres war es beim Tunnelbau in Gloggnitz zu Wasser- und Schlammeintritt und anschließend zu einer Vertiefung auf der Oberfläche gekommen.

Bevor der normale Vortrieb der Streckenröhren in Gloggnitz weitergehen kann, muss sowohl die zweite Tunnelröhre weiter gegraben, als auch ein sogenannter Interventionsstollen gebaut werden. Von der Oberfläche und im Tunnelvortrieb finden zusätzliche Erkundungsbohrungen statt, die aufgrund der Beschaffenheit des Gebirges in diesem sogenannten „Karbonatstock“ selbst höchst komplex und zeitaufwendig sind. Hat man dann den Bereich erreicht, in dem es zum Wasser- und Schlammeintritt gekommen war, muss das Gebirge oberhalb des Tunnels höchst sensibel gesichert werden, bevor der Vortrieb wieder planmäßig erfolgen kann.

Baustelle Göstritz

Eine ähnliche Situation haben wir auch auf der Baustelle Göstritz angetroffen, wo im Frühjahr dieses Jahres ein Wasserzutritt mit sandigen Feinteilen zu bewältigen war. Während der Tunnelvortriebsarbeiten im Bereich Göstritz des Semmering-Basistunnels sind die Bauarbeiter auf einen unerwarteten Wasserbereich gestoßen. Dieses austretende Wasser war mit Feinteilen der Breckzie versetzt. Auf diese Weise strömten rund 60 Liter Wasser mit sandigen Feinteilen pro Sekunde in den Tunnel. Die Wassermenge selbst – ohne Sand – war zu bewältigen – da die Baustelle in diesem Abschnitt auf Wassermengen für bis zu 300 Liter Wasser pro Sekunde vorbereitet ist. Als Herausforderung stellte sich zunehmend die Kombination des Wassers mit dem Sand dar, die einerseits spezielle Schlammpumpen erfordert, um das Wasser in die Gewässerschutzanlage außerhalb des Tunnels zu pumpen. Andererseits setzt sich in der Gewässerschutzanlage der ganz feine Sand nicht komplett ab und wurde daher in das bestehende Gewässersystem geleitet. Dieser ausgespülte Sand verursachte die sichtbare Trübung.
Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Der Wassereinritt besteht weiterhin, konnte aber gefasst werden, wird also geordnet in Leitungen abgepumpt. Es steht kein Wasser mehr im Tunnel. Zudem wurden unter Tage zusätzliche Absetzbecken eingebaut. Komplett abgedichtet kann die Stelle erst werden, wenn weitere Bohrarbeiten in diesem Bereich abgeschlossen sind.

Mehr Informationen und eine ausführliche Mediengalerie findet ihr bei der ÖBB Infrastruktur

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