ÖBB Reihen 5046 und 5146 - ÖBB
Alernative Text

Posch's Lok-Welt / Züge & Loks

ÖBB Reihen 5046 und 5146

In den ersten Nachkriegsjahren konsolidierten die wiedererstandenen Österreichischen Bundesbahnen ihren Fuhrpark und beschafften eine ganze Reihe von Dieseltriebwagen und -lokomotiven. Mit dieser Flotte an Neubaufahrzeugen konnten die Dampflokomotiven weiter zurückgedrängt und mehr Qualität den Fahrgästen geboten werden.

Der ÖBB-Fuhrpark war in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gekennzeichnet von einer heillosen Überalterung. Betroffen waren gleichermaßen Lokomotiven und Waggons. Besonders schwer war aber die Situation im Personenverkehr, denn auch die einsatzbereiten Triebwagenzüge hatten schon etliche Jahre auf dem Buckel. Eine Modernisierung des Fuhrparks war dringend notwendig um die Beförderungsstandards nachhaltig zu verbessern.


Foto:(c)Archiv Posch

Blauer Blitz

Für den Fernverkehr wurden ab 1952 die legendären Triebwagenzüge der Reihe 5045 an die ÖBB abgeliefert. Als „Blauer Blitz“ wurden die Züge weithin auch über die Staatsgrenzen hinaus bekannt. Ja sogar internationale Fernverbindungen nach Italien und nach Berlin wurden mit den Zügen gefahren. Besonders bekannt waren die „Blauen Blitze“ aber als Triebwagenschnellzug „Venezia“, der noch bis in die 1970er Jahre Wien mit Venedig verband.

Auch für den schnellen Regionalverkehr wollte man seinerzeit Triebwagenzüge beschaffen, die aber aus einzelnen Motorwagen mit zwei Führerständen bestehen sollten und bei Bedarf mit einem zusätzlichen Steuerwagen ergänzt werden konnten. Nur drei Jahre nach dem „Blauen Blitz“ rollte der erste derartige Triebwagenzug, die ÖBB-Baureihe 5046, aus den Werkshallen von Simmering-Graz-Pauker. Technisch wurden die Fahrzeuge an die Konstruktion des „Blauen Blitz“ angelehnt. Antriebsmotor, Strömungsgetriebe, Drehgestelle und weitere technische Komponenten wurden von den 5045 übernommen. Nur die Höchstgeschwindigkeit blieb durch die Verwendung einer anderen Getriebeübersetzung mit 100 km/h beschränkt. Ein Spitzname blieb den Regionalverkehrstriebwagen verwehrt.

Der Innenraum, der für 48 Fahrgäste ausschließlich in der zweiten Klasse Platz bot, wurde bei den Fahrzeugen des Typs 5046 noch mit einer Dampfheizung beheizt. Die später gelieferten Fahrzeuge der Reihe 5146 erhielten bereits eine Webasto-Heizung. Insgesamt konnten bis zu drei vierachsige Beiwagen mitgeführt und mit Dampf beheizt werden. Im Laufe der Zeit wurden mehrere technische Umbauten an den Fahrzeugen durchgeführt; erkennbar an der Hunderter- und Zweihunderter Nummer. Durch das Einzelwagenkonzept bilden die Triebwagen und die Bei- oder Steuerwägen in sich abgeschlossene Einheiten. Ein Wagenwechsel war nur im Freien mittels Übergangsblechen und Scherengittern möglich.

 


Foto:(c)Archiv Posch

Triebwagen im Nah- und Fernverkehr

Im Einsatz standen die Fahrzeuge anfangs noch im schnellen Nah- und teilweise auch im Fernverkehr auf zahlreichen Haupt- und Regionalbahnen. Nach dem Fortschreiten der Elektrifizierung in Österreich wanderten die Fahrzeuge mehr und mehr in den Regionalverkehr ab und wurden vor allem im Osten Österreichs eingesetzt. Ein kurzes Intermezzo folgte im letzten Betriebsjahrzehnt, wo einige Triebwagen in Kärnten und in der Steiermark von Knittelfeld aus eingesetzt wurden. Einige Fahrzeuge erhielten Anfang der 1990er Jahre noch eine neue Lackierung, die nach dem damaligen ÖBB-Chefdesigner „Valousek-Lackierung“ genannt wurde. Das helle und freundliche äußere Aussehen erhielten nur einige wenige Fahrzeuge, denn die Abstellung der ersten Nachkriegs-Dieseltriebwagen stand unmittelbar bevor.

Nach über 30 Einsatzjahren begann der Stern der Regionalbahntriebwagen der Reihen 5046 und 5146 langsam aber sicher zu sinken. Die 100 bestellten modernen Jenbacher-Triebwagen der Reihe 5047 ermöglichten den ÖBB die Abstellung aller Altbautriebwagen. 1997 wurden sowohl die letzten einsatzfähigen Fahrzeuge der „Blauen Blitze“ und auch der Reihen 5046 und 5146 ausgemustert. Einige Fahrzeuge fanden aber nach ihrer Abstellung bei den ÖBB eine weitere Verwendung bei der GySEV, der Raab-Ödenburg-Ebenfurter Eisenbahn, wo ihnen auch dort keine allzulange Zukunft  bevorstand.

Museale Erhaltung

Heute sind noch einige wenige Triebwagenzüge der Reihe museal vorhanden. Unter anderem ist ein Zug der GySEV im Eisenbahnmuseum in Budapest zu bewundern. Der 5046.201 wird derzeitvon der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte aufgearbeitet und soll in Kürze in all seiner schlichten Schönheit für Museumsfahrten wieder zur Verfügung stehen.

Fact Box:

Leistung: 370 kW
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Gewicht: 48,1 t
Sitzplätze: 48
Achsfolge: B‘2‘
Baujahre: 1954-1961
Stückzahl: 25

Weitere Beiträge zu diesem Thema