ÖBB-Baureihe 52

Dampflok nicht nur für den Kriegseinsatz

ÖBB-Baureihe 52: Speziell für den Einsatz im Zweiten Weltkrieg beschaffte die Deutsche Reichsbahn mehrere Loktypen. Speziell die geplanten Dampflokomotiven sollten relativ robust und universell einsetzbar sein.

Nicht weniger als 15.000 Loks wollte die Deutsche Reichsbahn speziell für den Nachschub an die Ostfront beschaffen. Bis Kriegsende verließen mehr als 7.000 Exemplare die Werkshallen aller renommierten Lokschmieden im Deutschen Reich, mehr als 300 Loks wurden in verschiedenen Ländern nachgebaut.

Langjähriger Einsatz

Die Kriegsdampflok 1 (KDL 1), wie die 52 auch genannt wurde, prägte wie keine andere den Bahnverkehr im Nachkriegseuropa bis weit in unsere Tage. Die letzten Exemplare versahen bis vor wenigen Jahren ihren planmäßigen Güterzugsdienst in den Kohlenzechen Bosniens und gelten seither als „eiserne Reserve“.

Foto: © ÖBB/Christoph Posch

Schon bald nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stiegen die Transportleistungen der Deutschen Reichsbahn, nicht zuletzt wegen der immer rascheren Truppenbewegungen an den verschiedenen Fronten. Um den Nachschub einigermaßen aufrechtzuerhalten, wurden weitere sogenannte Einheitslokomotiven der Reihen 44 und der leichteren 50 bei der Industrie bestellt. Dabei kristallisierte sich heraus, dass speziell Importrohstoffe wie Kupfer für nachhaltige Probleme sorgten, die nicht zuletzt für Lieferschwierigkeiten und massive Verteuerungen sorgten. Fazit: Eine neue Loktype muss her, die großteils aus Rohstoffen gebaut werden musste, die im Deutschen Reich verfügbar waren. Die zuletzt abgelieferten Einheitsloks wurden schon während Planung und Bau der 52 weitgehend „germanisiert“, das heißt große Kupfer- und andere Edelmetall-Baugruppen mit Heimstoffen wie zum Beispiel mit speziellen Stahlsorten oder Legierungen ersetzt.

Von der Einheits- zur Kriegslok

Diese Loks wurden mit „ÜK“ (Übergangskriegslok) gekennzeichnet. Im Wesentlichen wurde die 52 von der älteren 50 abgeleitet. Die 52.001 wurde 1942 als Vorauslok an die Deutsche Reichsbahn übergeben. Noch 1942 wurde die Lokproduktion schrittweise hochgefahren und erreichte nur ein Jahr später mit einer täglichen (!) Produktionsrate von 53 Lokomotiven ihren Höhepunkt. Allein bei der Wiener Lokomotivfabrik in Floridsdorf (WLF) wurden 1.053 Kriegslokomotiven der Reihe 52 gefertigt.

Foto: © ÖBB/Christoph Posch

Tragende Säule im Wiederaufbau-Bahnbetrieb

Nach Kriegsende waren die Loks ihrem Einsatzzweck entsprechend über ganz Europa und teilweise in Asien (Türkei) verteilt. Ihnen wurde in den ersten Friedenswochen eine große Aufgabe zuteil: Die 52er übernahmen vielerorts die Transportleistungen für den Wiederaufbau und konnten ob ihrer Bauweise (geringer Achsdruck, einfaches und robustes Fahrwerk) nahezu auf allen Strecken sofort eingesetzt werden. Viele der in Russland verbliebenen Lokomotiven wurden sogar auf die russische Breitspur mit 1.524 mm Spurweite umgespurt.

Foto: © ÖBB/Christoph Posch

Auch in Österreich nahmen die 52er sofort wieder ihren Dienst auf. Mehrere Hundert Loks verblieben nach dem Krieg in den verschiedenen Zonen. Viele 52 in der russischen Besatzungszone wurden als Beutestücke beschlagnahmt und den Osten abgefahren. Dennoch trugen sie maßgeblich dazu bei, dass sich der Triebfahrzeugpark in Österreich rasch stabilisierte und der Bahnverkehr auch auf nicht elektrifizierten Strecken sehr bald in vollem Umfang wieder aufgenommen werden konnte. Besonders eindrucksvoll waren die Leistungen von 52ern in Doppeltraktion vor schweren Erzzügen im Gesäuse, vor den schweren Nordbahn-Kohlenzügen und nicht zuletzt auf der Semmeringbahn bis Mai 1959.

Foto: © ÖBB/Christoph Posch

Doch der Stern der 52 begann auch in Österreich mit dem raschen Fortschritt der Elektrifizierung zu sinken. Das Ende des Dampfbetriebes im Oktober 1976 brachte schließlich das Aus für die 52 der ÖBB. Trotzdem verschwanden die 52 nicht gänzlich von den Schienen. Noch immer befinden sich mehrere Dutzend dieser robusten Lokomotiven im musealen Dienst in ganz Europa und in der Türkei. In Österreich selbst können Interessierte einige 52er bei Museumsvereinen noch immer in Betrieb erleben. Lassen auch Sie sich einmal von der 52 verzaubern, es lohnt sich.

Fact Box:

Achsfolge: 1‘E h2
Leistung: 1.192 kW
Geschwindigkeit: 80 km/h
Dienstgewicht: 102,7 t
Länge: 22.975 mm
Stückzahl: >7.000
Baujahre: 1942-ca. 1950

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