ÖBB-Reihe 1293

Neue Lokomotiven für die ÖBB

1293. So werden die im Jänner bestellten ersten 30 Lokomotiven bezeichnet werden, die im internationalen Güterverkehr der ÖBB eingesetzt werden sollen. Der Rahmenvertrag umfasst die Lieferung von 200 Lokomotiven, in drei unterschiedlichen Bauarten.Im Jahr 2015 wurde ein Rahmenvertrag für neue Elektrostrecken-Lokomotiven für die Güterverkehrssparte der ÖBB ausgeschrieben. Bis zu 200 neuen Cargo-Lokomotiven mit einem Fixabruf von 30, die den Fuhrpark ergänzen und in weiterer Folge auch teilweise erneuern sollen. Mit der weiteren Ausweitung der Verkehrsdienstleistungen und Stärkung der Eigentraktion in Europa zwischen Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer stieg auch der Bedarf an Lokomotiven. Bisher mussten einige zusätzliche Lokomotiven angemietet oder im Heimmarkt durch Produktivitätsmaßnahmen freigespielte Triebfahrzeuge in die neuen Zielmärkte transferiert werden. Nun

erforderten die schnell wachsenden Güterverkehrsverbindungen mit Eigentraktion sehr bald, dass die ÖBB-Lokflotte erweitert werden musste. Aus diesem Grund starteten die ÖBB im vergangenen Jahr ein Ausschreibungsverfahren für die Beschaffung von bis zu 200 Lokomotiven in mehreren Losen. Die Ausschreibung selbst zählte zu einem der innovativsten Verfahren in Europa, denn die potenziellen Bieter waren gefordert, auch neue, derzeit noch nicht am Markt erhältliche Produkte anzubieten. Im Laufe des Verfahrens stellte sich aber heraus, dass der Lokbedarf für den Güterverkehr in Eigentraktion rasant anstieg und dass so schnell wie möglich Fahrzeuge für den internationalen Verkehr beschafft werden müssen. So wurde schließlich ein Rahmenvertrag über konventionelle Lokomotiven, die mit verschiedensten Technologien ausgerüstet werden sollen, ausgeschrieben.

Mitte Jänner war es schließlich so weit: Der Bestbieter stand fest und die neue Lokomotivgeneration der ÖBB wurde gekürt. Siemens AG Österreich gewann den Wettbewerb mit ihren Lokomotiven der „VECTRON“-Familie. Bis zu 200 Lokomotiven in drei verschiedenen Baumustern können in den nächsten Jahren von den ÖBB für den Güterverkehr abgerufen werden.


Buntes Lokomotivallerlei. Spätestens seit dem Markteintritt von mehr oder weniger privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen wird das Bild auf den Gleisen in Europa immer bunter. Das tschechische Eisenbahnverkehrsunternehmen REGIOJET setzt mehrere Leasing-Vectrons vor ihren Schnellzügen ein. Foto: (c) Christoph Posch

Das neue „Gesicht“ für die Rail Cargo Group

Am internationalen Lokomotivmarkt gibt es derzeit viele innovative Produkte, die in Konkurrenz stehen. Siemens bietet verschiedenste Fahrzeuge unter dem Markennamen VECTRON an, Bombardier verlässt sich auf die Produkte der TRAXX-Familie und auch in Frankreich gibt es mit PRIMA ein entsprechendes Pendant. Aber auch die Industrie im Osten und Südosten bringt derzeit interessante Fahrzeuge auf den Markt. Und auch die Lokschmieden in China haben Fahrzeuge in ihrem Portfolio, die durchaus europäischen Bedingungen standhalten können. Dementsprechend hart war der Auftrag, es ging immerhin um 200 Lokomotiven, umkämpft. Im Bestbieterverfahren konnte Siemens den Auftrag an Land ziehen und mit einer mehr als nur bewährten Lokfamilie begeistern. Die ersten neuen Cargo-Fahrzeuge werden im Mai 2018 in Österreich erwartet und gehen dann unmittelbar darauf im internationalen Güterverkehr in den Dienst. Die erste Tranche des Auftrags umfasst die Lieferung von nicht weniger als 30 Multisystemlokomotiven, die zusätzlich zu den Wechselstromnetzen auch unter 3.000 Volt Gleichstrom eingesetzt werden können. Demzufolge sind auch die Zulassungen für die Fahrzeuge auf den Aktionsradius der Unternehmen der Rail Cargo Group vorgesehen.


Einsatz auch im Personenverkehr? Die ÖBB-Vectron-Loks sind grundsätzlich für den nationalen und inter-nationalen Güterverkehr bestimmt. Getestet wurde die Vectron aber auch im Einsatz vor Personenzügen. Foto: (c) Christoph Posch

„Modernster Spross“ der EuroSprinter-Familie

Die Lokomotiven der VECTRON-Familie gehören einer noch größeren an, nämlich der EuroSprinter-Familie. Aus dieser stammen auch die 382 TAURUS- Hochleistungslokomotiven der ÖBB ab. Aber nicht nur diese, denn in vielen Ländern Europas und auch in Asien (unter anderem in Südkorea) sind Vertreterinnen dieser erfolgreichen Lokfamilie zu finden. Die VECTRON-Loks werden mit verschiedenen Ausstattungen angeboten, von der einfachen Gleich- oder Wechselstromlok bis hin zu Mehrsystemlösungen oder Fahrzeugen mit Diesel Power-Modulen (DPM).

Wertschöpfung auch in Österreich

In der ehemaligen SGP-Lokschmiede in Graz, die heute zum Siemens-Konzern zählt, werden für alle Schienenfahrzeuge des Siemens-Konzerns Drehgestelle gefertigt. Damit bleibt beim aktuellen Lokauftrag auch ein erheblicher Teil der Wertschöpfung in Österreich.Die ersten Loks werden Mitte 2018 erwartet und sollen nach ihrer Zulassung sofort im kommerziellen Dienst eingesetzt werden. Übrigens, über 750 VECTRON-Lokomotiven (samt Optionen) wurden von verschiedensten Kunden bereits geordert; der ÖBB-Auftrag ist derzeit der umfangreichste.

INFOBOX

Die Vectron besichtigen
Im Zuge des Projektes 1293 (ÖBB Vectron) gibt es die Möglichkeit, ein Vorführfahrzeug zu besichtigen. Diese Vorführung findet am Stützpunkt Linz auf den Gleisen hinter dem PR Gebäude statt: 27.03.–31.03.2017 von jeweils 09:00-16:00 Uhr Siemens wird bei dieser Vorführung alle Fragen seitens der ÖBB zu diesem Produkt gerne beantworten.

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