Flaggschiffe

Triebwagenschnellzug der ÖBB-Reihe 4010  

Lange Zeit waren die eleganten Triebwagenzüge der Reihe 4010 DIE „Flaggschiffe“ der ÖBB-Flotte. Bis zu ihrer Ablöse waren die 4010er vom Österreichischen Bahnalltag im hochwertigen Fernverkehr nicht mehr wegzudenken.

Im noch jungen Nachkriegsösterreich waren noch viele Projekte zu erledigen. Eines der vordringlichsten war aber, den schnellen Personenfernverkehr mit neuen Fahrzeugen das Rüstzeug in die Hand zu geben um für die Fahrgäste qualitative Verbesserungen umzusetzen. Eines war jedem klar: die elektrische Traktion war nicht mehr aufzuhalten und nun galt es die Vorteile in Puncto Leistung und Geschwindigkeit zu nutzen.


Foto: (c) Archiv Posch

Als 1958 der „Transalpin“, der neue Starzug zwischen Wien und Zürich, Fahrt aufnahm, überzeugten die damals eingesetzten Fahrzeuge der Reihe 4130 nicht. Abgeleitet von Triebwagen der Wiener Schnellbahn boten sie den Fahrgästen zwar eine wichtige Qualitätsverbesserung aber der Durchbruch blieb ihnen verwehrt. Bereits nach den ersten Betriebsmonaten suchten die ÖBB nach einer geeigneteren Fahrzeuggeneration.

Diese rollte acht Jahre später, 1965, aus den Werkshallen von der renommierten Herstellerfirma Simmering-Graz-Pauker. Vorerst lieferte die Industrie drei Garnituren, bestehend aus Triebkopf, vier Mittel- und einem Steuerwagen. Von Anfang an überzeugten die blau-creme farbigen Züge nicht nur optisch sondern auch in der Laufruhe. Genau diese extreme Laufruhe begleitete die 4010er während ihres gesamten Einsatzzeitraumes bis zum Ausscheiden der letzten Garnitur am 31. Dezember 2008.


Foto: (c) Archiv Posch

In insgesamt fünf Serien wurden bis 1978 nicht weniger als 29 Zugsgarnituren an die ÖBB geliefert. Damit sorgten die ÖBB für einen gehörigen Modernisierungsschub und für eine wichtige Qualitätsoffensive. Die Züge waren gleichermaßen bei Fahrgästen und beim Personal mehr als nur beliebt. Fotos und Grafiken der eleganten Züge zierten zahlreiche interne und externe Druckunterlagen. Das sorgte natürlich für eine Bekanntheit bis weit über die Grenzen hinaus.

Lange Zeit bildeten die Städteschnellzüge das Rückgrat des modernen Fernverkehrs in Österreich. Zusätzlich zum Einsatz als Transalpin wurden die Züge als so genannte Triebwagenschnellzüge im Binnenverkehr auf allen wichtigen elektrifizierten Hauptlinien eingesetzt. Ein weiterer legendärer Langlauf war der „Bundesländer Express“, der als Langlauf nahezu alle Landeshauptstädte miteinander verband. Sehr schnell wurden die 4010er zum Rückgrat des Schnellverkehrs zwischen Wien und Graz sowie zwischen Wien und Salzburg. Erst mit der Ablieferung von modernen vierachsigen Waggons der Eurofima Z1 und Z 2 Bauarten gerieten die 4010 etwas ins Hintertreffen. Aber die Qualität blieb unerreicht. Verantwortlich für die Gestaltung der neuen Zugsflotte war der Designer Johann Benda vom Hersteller SGP.


Foto: (c) Archiv Posch

Während der langen Einsatzperiode dieser formschönen Städteschnellzüge erfuhren die Garnituren verschiedene Umbauten oder Modernisierungen. Im Zuge eines einheitlichen Farbkleids wurden sie nach und nach in die neuen ÖBB-Hausfarben der 1990er Jahre in rot-grau umgefärbt. Im Einsatz standen die 4010 fast ausschließlich im hochwertigen Fernverkehr. Selbst Frankfurt wurde von den Triebwagenschnellzügen angefahren. Zum Schluss ihrer Einsatzzeit kamen die 4010er auch teilweise im Regionalverkehr zur Verwendung.

Das Ausscheiden der eleganten Garnituren zum Jahresende 2008 markierte aber noch nicht das Ende ihrer Karriere. Der neue liberalisierte Personenverkehrsmarkt machte es möglich, dass einige Fahrzeuge für die Zukunft erhalten blieben. Während der 4010.009 zur musealen Erhaltung in Richtung ÖGEG (Österreichische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte) rollte, wurden die restlichen verbliebenen Garnituren an ein deutsches Eisenbahnverkehrsunternehmen verkauft. Die HKX (Hamburg Köln Express GmbH) möchte die Zwischen- und Steuerwagen für Fernverkehrsdienstleistungen weiter verwenden. Insgesamt 18 Waggons sollen dazu in Polen umgebaut und ertüchtigt werden. Bislang ist noch kein Einsatz zu verzeichnen.

Fact Box:

Baujahre: 1965-1978
Sückzahl: 29
Dauerleistung: 2.265 kW
Gewicht: 283 t
Achsfolge: Bo‘Bo‘+2‘2‘+2‘2‘+2‘2‘+2‘2‘+2‘2‘

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